Mit digitalem Durchblick Zukunft gestalten

Digitale Souveränität – also die Autonomie in der Nutzung oder Nicht-Nutzung digitaler Technik – so lautete das Thema des vierten After Work Talk der Transformations- und Innovationsgenossenschaft Bad Oldesloe (TIBO) am 21. März 2024.

Zu diesem Fast & Curious Circle Bad Oldesloe (wir berichteten über den gleichnamigen Gründer-Podcast als Ideengeber) hatten sich 15 Gäste im Pop-Up Coworking-Space am Konrad-Adenauer-Ring 1 eingefunden.
Dieses Mal waren sogar Stephanie Murroni vom Hamburger Circle und Renate Willhöft vom Oldesloer Senior*innenbeirat dabei und diskutierten mit den anderen über den digitalen Wandel in eine zukunftsfähige Gesellschaft, die allen Menschen gerecht wird.

Zu Beginn bekommen alle drei Karten des Fast & Curious Kartenspiels mit den 120 liebsten Fragen der Gründerinnen Lea-Sophie Cramer und Verena Pausder, um sich kennenzulernen. Ergotherapeutin Inga Neckel weiß auf die Frage nach ihrem Lebensmotto sogleich Antwort: “High Hopes” [Hohe Hoffnungen], verweist sie wie aus der Pistole geschossen auf den gleichnamigen Song, in dem es darum geht, im Leben eine Vision zu haben – genau wie wir von TIBO. Bei ihren Patienten trifft sie sowohl auf digital souveräne, die selbst recherchieren als auch auf digital wenig Erreichte („Ich hab‘ da mal `ne Handy-Frage“).
Bei der Verlosung dreier Kartenspiele an diesem Abend ist Neckel stolze Gewinnerin: „Das Spiel weihe ich bei der nächsten Team-Sitzung ein!“

Inga Neckel ist stolze Gewinnerin eines Fast & Curious-Kartenspiels (Foto: Johanna Eggert)

Was bedeutet Digitale Souveränität für die Anwesenden? Für Groß- und Außenhandelskaufmann Herbert Hank heißt es, selbst zu entscheiden, „was ich dem Computer übergeben kann und was nicht.“ Der Seniortrainer gibt ehrenamtlich Wissen zum Thema Computer weiter und beschäftigt sich mit Computerrecycling. Gemeinsam mit will er TIBO beim Aufbau unseres Digitalisierungs- und Nachhaltigkeitszentrums (DNZ) in Bad Oldesloe unterstützen. „Ich kann mir vorstellen, das DNZ mit einzurichten, recycelte Computer zur Verfügung zu stellen, mit Ehrenamtlichen PC`s zu betreiben“, sagt Raab. Somit möchte er die älteren Menschen einbinden, ihnen behördliche Gänge abnehmen und eine Anlaufstelle für alle digitalen Fragen schaffen – kurz: Sie sollen mit Hilfe von zugänglichen Lernangeboten Teil des von TIBO beantragten Digital Learning Campus werden. 

„Die Trainer sind verbandelt mit der Volkshochschule Bad Oldesloe“, beschreibt VHS-Leiterin Karin-Linnemann das geniale Kompetenzteam Bad Oldesloe im Kreis Stormarn. Die VHS sei Anlaufstelle für ältere Menschen, die „ihr Wissen ehrenamtlich den Bürgern zur Verfügung stellen.“ Bei diesem Konstrukt bilden Hauptberuflichkeit und Ehrenamt eine Einheit, während die VHS, die den Ehrenamtler*innen Verwaltung abnimmt, den Rahmen bildet. Gefördert wird das Programm vom Land Schleswig-Holstein. „Dieses Jahr feiern wir zehnjähriges Jubiläum“, sagt Linnemann stolz. Nachfrage nach den Projekten der Seniortrainer*innen sei groß, „durchschnittlich melden sich zehn Leute pro Termin an.“ Linnemann war als Kind regelmäßig im Jugendzentrum. „Da war immer jemand, der irgendwas wusste und geholfen hat“, erzählt sie. In Bad Oldesloe kann sie sich das künftige DNZ als solch einen Raum vorstellen, in dem die Menschen Antworten finden.

Das Smartboard leuchtet: Die Köpfe rauchen, wenn bei TIBO an der Zukunft gearbeitet wird (Foto: Birgit Voll)

Für IT-Designer Sebastian Neckel hingegen bedeutet Digitale Souveränität „sich nicht von Digitalisierung überfordern zu lassen.“ Er ermutigt Menschen nachzufragen – so wie seine Mutter, der er vermittelt, sie könne nichts falsch machen. „Kürzlich hat sie sich sogar von Chat GPT was ausdrucken lassen“, sagt Neckel. Er sei davon überzeugt, dass IT-technische Probleme künftig durch immer einfachere Nutzungsmöglichkeiten abnähmen. Künstliche Intelligenz (KI) ist für ihn „Stütze, Informationsquelle“ und vergleichbar mit Wikipedia 

Daneben ging es darum, das Thema Grundsteuer zu erleichtern und einheitlich zu gestalten, die Sehnsucht nach digitaler Teilhabe zu wecken, die Definition von Kreativität als Feuerwerk im Kopf sowie um die Zukunft des Bildungssystems – als mögliche Zukunftslösung wurden hier Kopf- und Digitalnoten genannt. Auch Estland als digitales Vorzeigeland, das den Zugang zum Internet als ein Grundrecht erklärt hat, war Teil der Debatte. Von der dortigen digital bedingten Effizienz könnten wir hier in Deutschland noch eine Menge lernen…

Stephanie Murronis Wunsch für die nächste Diskussion: „Die Gruppe der Schüler und Jugendlichen dazuzuholen“, so die agile Digital-Projektmanagerin. Schließlich sind gesellschaftsübergreifende digitale und technologische Kompetenzen unerlässlich, um heutige und zukünftige Herausforderungen zu meistern.

JOHANNA EGGERT